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Ich habe bei einer Werbefahrt mitgemacht

Ich habe bei einer Werbefahrt mitgemacht

Eine ganz schlechte Idee von mir, bei einer Werbefahrt oder auch Kaffeefahrt genannt, teilzunehmen. Alles hatte damit angefangen, das mein Opa noch eine Begleitperson brauchte und ich wollte schon immer mal bei solch eine raffinierten Verkaufsshow teilnehmen. Im Vorfeld hatte ich schon einiges darüber gehört und gesehen und es war tatsächlich so wie es oft beschrieben wird. Es war furchtbar! Doch vor jeder Werbefahrt wird einem wunderbare Dinge versprochen. LCD Fernseher, Digicamcorder, Kochtöpfe und vielen mehr.

Wir standen pünktlich am Treffpunkt, doch bis auf zwei Mitfahrer keine Spur vom Bus. Die zwei älteren Herren waren Profis und nahmen an fast jeder Werbefahrt teil. Ich hatte sofort den Namen Powerseller für sie gefunden, was sich am Ende der Kaffeefahrt auch bestätigte, denn die Fahrt fand mit einiger Verspätung doch statt. Der Bus – fällig für die Abwrackprämie – kam knapp eine halbe Stunde später und war schon gut gefüllt. Gut gefüllt mit alten Damen und Herren die wohl alle noch zu viel Geld hatten. Jedenfalls fand ich mit Opi ganz hinten noch ein stilles Plätzchen und war mir unsicher wo die Reise hingeht. Noch einmal hielt der Bus, noch einmal neue Fahrgäste, am Ende waren 38 Leute im Bus!

Die Reise ging zum Glück nicht lange, vielleicht eine halbe Stunde Busfahrt bis wir ein „Kaff“ erreicht hatten, wo es neben einer Kirche nur eine Kneipe gab. Der Blick aufs Handy verriet mir, das wir noch in Deutschland waren, obwohl der Empfang wohl nur für einen Notruf ausreichte. Es war wie in tiefsten DDR-Zeiten! DSL, mobiles Internet, Farbfernsehen, Radio und Telefon kennen die Leute dort mit Sicherheit noch nicht!

Stuhl aus DDR ZeitenIn der Kneipe gab es einen großen Partysaal mit drei großen Tischen die mit Papierdecken und Holzstühlen aus 80er Jahre gedeckt waren. So ein Stuhl habe ich noch vor die Linse bekommen. Auf so einen Stuhl mussten wir nun sagenhafte 5 Stunden sitzen. Doch jetzt hatten wir erstmal in der DDR-Partylocation Platz genommen und ganz vorne waren schon die Prämien aufgestellt, die wir alle bekommen. Juhuu Billigware vom feinsten! Platz genommen und schon sollte man die ersten Zettel ausfüllen. Name, Vorname und alle Daten die kostbar sind – nicht mit mir!

Die ganze Zeit lief ein freundlicher Herr zwischen den Plätzen und versuchte alles in Ordnung zu bringen, denn 38 (-1) waren Feuer und Flamme. Fast die Hälfte der Leute die anwesend waren, waren Powerseller, oder zumindest bei jeder Werbefahrt dabei – Fakt!

Nach paar Minuten kam dann auch der Boss (nennen wir ihn Frank), ganz schick gekleidet mit Schlips und pinken Hemd und einem Headset, damit auch jeder seine Stimme hört.

Verkürzen wir das ganze, sonst schreibe ich morgen noch! Zumindest stellte sich er sich und seine Firma und die Sponsoren kurz vor und begann mit damit die ersten Noname Produkte den Kunden schmackhaft zu machen.

Hifi Stereoanlage, Digicamcorder, schnurloses Telefon, Kochtöpfe und LCD Fernseher waren schön aufgebaut. Jeder sollte den Eindruck gewinnen, das hier kein Beschiss gemacht wird. Dazu verteilte man paar Teddys und Werkzeugkoffer an paar Leute. Mein Opi bekam auch einen, vielleicht der erste Fehler, denn später kaufte mein Opi tatsächlich eine Reise in die Toscana!

Das werden 7 Tage pure Werbefahrt. Wayne ohne mich. 😀 Okay Teddys und Co hatten einen neuen Besitzer und fortan verlangte Frank unsere ständige Aufmerksamkeit. Wer quatschte oder sich nicht für die Sache interessierte, konnte gehen! Sagte er ganz offen, doch alle sind geblieben, was will man sonst in einem „Kaff“ machen? War teilweise echt geil was Frank für Sprüche ab lies. „Wenn sie so viel kaufen würden wie sie quatschen, würde es uns besser gehen“ und solche Sprüche. Ich musste eigentlich die ganze Zeit nur lachen, denn Frank machte seine Sache vorzüglich und schon nach wenigen Minuten hatte er die ersten Opfer – mein Opa mit dabei.

Ja ich wollte verkürzen! Also er bot drei Reisen an und wer Interesse hatte, sollte den Zettel, den man zu Anfang ausfüllen sollte abgeben. Wer dies tat, bekam dann noch Firma und Sponsoren Nachlass. Mein Opa bekam satte 400 Euro Nachlass – geil wa? So einige Reisen wurden tatsächlich verkauft, wenn ich mich nicht irre vier Leute nahmen eine Reise in Anspruch. Danach war Mittag – 12:30 Uhr. Das Mittagessen war lecker und preiswert.

Und danach ging es weiter mit der Werbeveranstaltung. So langsam hatte ich die Schnauze voll, doch hätte ich was anderes gemacht, wäre ich rausgeflogen. Also hörte und schaute ich Frank zu. So eine Aufmerksamkeit wie Frank bekommen hat, bekamen noch nicht mal meine Lehrer. Echt genial. Und mit einfachen Ja und Nein Fragen wurden die 38 (-1) Leute mit einbezogen. Alles andere wurde überhört oder geschickt umgangen.

Dann wurde eine Bioresonanz Matratze vorgestellt (Nische, denn darüber spruckt Google nur wenig aus und so eine Matratze kostet knapp 2600 Euro). Okay auf den Preis ist er erst ganz zum Schluss eingegangen. Erst hat er die Vorteile und jeden Pups erläutert und hat die 38 (-1) Leute immer schön mit seinen Worten bearbeitet – köstlich! Letztendlich stellte sich heraus, dass die Matratze 2600 Euro kosten würde. Aber alles kein Problem, denn man bot eine 0 % Finanzierung über 3 Jahre an. Monatlich knapp 50 Euro für so einen Fetzen. Alle die Interesse hatten (8-10 Leute), bekamen einen Umschlag und beim öffnen stellte sich heraus, das die Firma einen 1000 Euro erlässt! Zusätzlich gäbe es entweder ein Kochset und eine Induktionskochplatte sowie ein Medigym-Fitnessgerät dazu, oder man hätte den Camcorder, das schnurlose Telefon und die Hifi-Stereoanlage nehmen können!

Letztendlich wurden sogar zwei Matratzen verkauft und der eine Käufer war der Poweseller, der mit uns zugestiegen ist und schon bei jeder Weberfahrt teilgenommen hatte. Echt krank wie viel Geld die Rentner noch haben.

Nein es war noch lange nicht vorbei, denn Frank versuchte noch ein paar Reisen an die Leute zu bringen. Dazu zog er 12 Leute aus einem Lostopf und diese hatten eine 3 Tagesreise gewonnen. Alles kostenlos, jedoch verlangt man eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 30 Euro… Keine Ahnung wer da noch zugeschlagen hat, war mir auch alles egal, ich wollte nur wieder weg.

Kaffeepause. Danach war immer noch nicht Schluss, denn Frank stellte uns noch Cremes und Salben vor. Scheinbar lief das Geschäft an diesem Tag nicht so gut, denn man merkte das Frank plötzlich nicht mehr der Liebe Kerl war. Pampig zu den Gästen und mit einem gewissen touch drängte er die Leute zum Kauf von solchen Zeug. Mein Opa kräftig dabei, nahm er doch jeden Scheiß! Dann kam Frank zu meinem Opa und sagte vor allen Leuten wie stolz er doch auf meinen Opa sei, weil er doch so ein fleißiger Käufer sei. Ein Glück kam er zur Vernunft und kaufte nicht auf noch die Bio Matratze, wovon er doch so schwärmte.

Am Ende bekam dann jeder das auf dem Einladungszettel versprochene Geschenk, aber es war weder etwas von Wildente noch von Klösen zu sehen. Wir bekamen Schwarzbrot, ein Glas Rotkraut, eine kleine Flasche Sekt, Schokolade und ein dreiteiliges Messerset. Am Ende war ich froh, dass der Bus uns ohne Umwege nach Hause fuhr.

Fazit: Nie wieder so ein Scheiß. Ist schlimmer als Schule und geschenkt bekommt man nur etwas, wenn man investiert! Die Prämien waren Noname Produkte, alles billiger Schrott, der nicht in meine Hände gehört.

Philipp Zurawski

Ich bin 👨🏼‍💻 Philipp Zurawski und seit mehreren Jahren selbständig. Ich verdiene meine Geld im Internet mit Affiliate-Projekten, Onlineshops, SEO, YouTube und Onlinemarketing. Ich bin offen für neue Möglichkeiten und blicke gerne in die Zukunft.

17 Kommentare
  • Fritten

    22. Februar 2009 at 1:55 Antworten

    Bin ein bisschen stinkig auf dich.
    Hätteste mal die Schnauze aufgerissen und den armen Leutchen da geholfen und Frank in sein eigenes Messer laufen lassen.

    Mann dass sind Rentner, also alte Menschen (-1) die halt nicht mehr den Elan aufbringen, sich gegen einen Frank (-k) aufzulehnen. Meine Großmutter fährt dort regelmäßig mit und ich verstecke vorher immer mit meinem Vater ihre Ersparnisse, damit sie kaum Bargeld mit zu solchen ollen Kamellen nehmen kann und ihre Kontonummer hat die Dame schon lange nicht mehr im Kopf.

    Und übrigens: „So Wayne?“ – Dich, schließlich dein Erbe 😉

    grias Di!

  • Markus

    22. Februar 2009 at 11:44 Antworten

    Klasse, die „Präsente“ hatten wohl weniger Wert, als die Fahrt gekostet hat, oder?

    @Fritten: Ich habe nicht erst einmal davon gehört, dass Meuterer, also Personen, die auf der Verkaufsveranstaltung gegen den Strom schwammen und auf die Missstände hingewiesen haben, von der Veranstaltung ausgeschlossen wurden. Die konnten dann zusehen, wie sie nach Hause kamen. In Bus wurden sie nicht mehr gelassen.

    Ich habe hier neuerdings wieder häufiger die bunten Kärtchen der „Reiseveranstalter“ im Briefkasten. Da die als Postwurf kommen, hilft auch der „Keine Werbung“-Aufkleber nicht. Das geht bei mir ungelesen ins Altpapier.

  • Philipp Zurawski

    22. Februar 2009 at 16:26 Antworten

    Die Fahrt war kostenlos. 🙂 Alles durch Sponsoren finanziert.

    Ich habe nicht erst einmal davon gehört, dass Meuterer, also Personen, die auf der Verkaufsveranstaltung gegen den Strom schwammen und auf die Missstände hingewiesen haben, von der Veranstaltung ausgeschlossen wurden. Die konnten dann zusehen, wie sie nach Hause kamen. In Bus wurden sie nicht mehr gelassen.

    Davor hatte ich eben auch Angst. War ja DDR Dorf wo vielleicht einmal in der Woche der Bus vorbeikommt. Und die hatten es faust Dick hinter den Ohren! Sahen zwar freundlich aus, konnten aber richtig böse werden, vor allem wenn keiner was kauft.

  • Chris

    23. Februar 2009 at 15:16 Antworten

    Naja, abhalten kann man die Leute da schlecht. Letztens erst eine Reportage im Fernsehen gesehen, da musste zu solch einer Veranstaltung sogar die Polizei kommen.

  • Philipp Zurawski

    23. Februar 2009 at 15:21 Antworten

    Chris was soll den der Deeplink? Außerdem sieht das nicht gerade freundlich aus. Viel zu oft Tarife und Flatrate xD

  • Chris

    23. Februar 2009 at 16:05 Antworten

    Ich denke man kann hier seine Webseite eintragen, oder? Wenn nicht erlaubt, dann bitte einfach löschen. Grüße

  • Philipp Zurawski

    23. Februar 2009 at 16:10 Antworten

    Natürlich darf man das, aber es ist nicht schön wenn man Deeplinks angibt.

  • Chris

    23. Februar 2009 at 16:15 Antworten

    Okay! Weis ich beim nächsten Mal Bescheid 🙂 Aber warum eigentlich nicht?

  • Jonas

    23. Februar 2009 at 16:28 Antworten

    Weil so der Eindruck entsteht, das du nicht des Artikels wegen kommentierst, sondern nur um deine Seite gut bei Google zu platzieren? btw. besteht der Link und die Seite aus einer Überdosis an Keywords, glaube das kommt bei Google nicht mehr so gut an 😉

  • Philipp Zurawski

    23. Februar 2009 at 16:49 Antworten

    Gernot danke für das Video. Ich bin baff, denn was im Video kam, war genauso auf der Werbefahrt – haargenau. Auch das selbe Zertifikat der Matratze und auch die Matratze war die gleiche.

    Hammer geiler Scheiß. Das Zubehör (Kissen, Decke) gab es leider nicht. Aber echt hammer was die für ein Scheiß da verkaufen.

  • marv

    25. Februar 2009 at 17:20 Antworten

    ich glaube ich hätte dem frääänky ganz schön den hals umgedreht. einfach nur ganz billige geschäftsmänner die nix aufm kasten haben, obwohl wenn ich recht überlege….

  • Flo

    25. Februar 2009 at 23:13 Antworten

    Kenn ich, seit mein Opi verstorben ist nimmt meine Omi zwar nicht mehr an Kaffefahrten teil, dafür zahlt sie immer öfters bei dubiosen Telefon-Abzocken, Gewinnspielen und so einem Scheiß. Finde ich amüsant, dass du deinen armen Opi da einfach so seine Rente verschleudern lassen hast. Wenn ich zu Gast bei meiner Omi bin und ich die CallCenter-Deppen zufällig an die Strippe kriege, dann gibt es regelmäßig einen kräftigen Einlauf für die. Eigentlich ist Omi mir dafür auch dankbar, aber dann wird sie doch immer wieder schwach …

  • Yannick

    12. März 2009 at 22:41 Antworten

    Wenn ich mir das durchlese, bekomme ich richtig Lust, da mal mit nem Kumpel mitzufahren und da mal einen Aufstand zu machen. Aber ich glaube, diese Leute wenden dann auch Gewalt an, oder?

  • Erfolg

    21. März 2009 at 10:40 Antworten

    Ha ha, ist ja geil. Das muss ich auch mal machen wenn ich Zeit habe!

  • Tim

    8. Mai 2009 at 7:56 Antworten

    Hm, warum hast du deinen Opi vorm Kaufen nicht etwas zurückgehalten? Wusstest genau, dass das nur Abzocke ist, hast ihn aber trotzdem kaufen und somit in die Falle laufen lassen…

    Ich hätte das meinem Opa nicht erlaubt!

  • Thomas Wiegand

    28. September 2009 at 6:15 Antworten

    Wieder in Junger, der sicher fuer sein Leben von so einer Fahrt bekehrt ist.
    Aber traurig stimmt mich das doch einige leute wohl hoffnungslos Suechtig danach sind.

    Dennoch,
    danke fuer den Bericht und achte auf deinen Opa – oder kopiere schnell die Einladungen damit Du andere informieren und warnen kannst.

    Ansonsten fahre wieder mit und hole nach dem Verkauf Polizei und Ordnungsamt ! Dann hast Du auch spass dabei …

    Thomas

  • Tobias

    15. Dezember 2009 at 16:46 Antworten

    Als Kind (80er) bin ich ständig mit meinen Großeltern auf solchen Werbefahrten gewesen. Das kostete damals noch 19,95 DM und am Ende des Tages ist man wirklich schwer bepackt mit Geschenken nach hause gekommen. Die halbe Wohnungseinrichtung meiner Großeltern besteht größtenteils aus diesen Geschenken.
    Damals wurde auch nicht nur Werbung geschaut, sondern es gab gegen Nachmittag auch immer einen Ausflug. Das konnten Konzerte, schöne Landschaften oder aber manchmal auch Freizeitparks gewesen sein. Diese Ausflüge waren doch ursprünglich überhaupt der Grund für diese Fahrten.
    Das war wirklich sehr schön damals – gerade auch für mich als Kind – denn ich freute mich immer schon Tage vorher auf die Geschenke auf den Bussitzen vor der Heimfahrt.

    Aber dann fingen sie irgendwann an die Fahrten kostenlos anzubieten und das war der Anfang vom Ende. Für ganz junge Leute entsteht heute der Eindruck, dass die jetzigen skrupellosen Machenschaften wohl schon immer so gewesen wären, aber das stimmt – wie oben beschrieben – eben nicht.

    Ich kann mir nicht erklären, wesshalb die Fahrten heute kostenlos sind, wo doch damals die Teilnehmer – bis zum Schluss – anstandslos gezahlt haben.

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